Mark-Stefan Tietze: Studentenparty
Ich war gerade auf einer Studentenparty in der Mensa am Aasee in Münster. Das war total lustig. Lauter junge Studentinnen und Studenten hingen da rum, teils mit so komischen Kinderköpfen auf den schmächtigen Schultern, teils mit Greisenbärten und harmvollem Gehabe. Aber auch die Klamotten waren zum Schießen.
In der Ecke an der Essensausgabe stand ein Typ und war breit. Seine blutunterlaufenen Augen zuckten in unendlicher Gier nach dem nächsten Schuß... - nein, Quatsch, der war einfach total breit und konnte mir kaum Feuer geben, so angeschlagen war der. Ich erwähne das nur, um die Art Party zu veranschaulichen, die da stattfand. Ansonsten standen sich junge Menschen gegenüber und redeten gegen den Mischmasch an, der dort als Musik gegeben wurde. Ihr Benehmen war überwiegend tadellos. Man war ganz deutlich nicht bei einem Schützenfest, sondern befand sich dann doch im akademischen Milieu, das selbst seinen jüngsten Repräsentanten eine gewisse Zurückhaltung angeraten sein läßt. In den Fluren dagegen: Der totale Horror! Man riß sich die Masken vom Gesicht, teils aufwendige Gurkenmasken, teils Charaktermasken aus dem Secondhandladen und rempelte rum wie beim Autoselbstfahrer auf der Kirmes. So eine Party war das also!
Das war meine Chance. Ich trat auf die Tanzfläche und redete begütigend auf die jungen Menschen ein. Daß es schon nicht so schlimm sein werde mit der Arbeitsmarktsituation, wenn sie ihre Examina fertig hätten; daß ein bis zwei Selbstmordversuche während des Grundstudiums als normal anzusehen seien; und daß sie auf keinen Fall daran denken sollten, studentische Kabarettgruppen zu gründen, weil sowas immer in die Hose geht, so oder so. Hauptsächlich sagte ich aber, daß jetzt mal alle schön nach Hause gehen sollen. Sie gingen, murrten vielleicht noch hinter vorgehaltener Hand, daß man ihnen Party bis um drei versprochen hätte, aber gingen letztlich, ohne zu widersprechen. Eine schöne Party war das!