Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Hefte 22/1998 Manfred Maurenbrecher: Niedrig bleiben
Artikelaktionen

Manfred Maurenbrecher: Niedrig bleiben

Manchmal ist Weisheit dort, wo man sie am wenigsten vermutet. So stieß ich ganz zufällig auf Auszüge der deutschen Betriebsanleitung des Sheraton-Hotels zu Luxor in Ägypten - ein Quell der Weisheit. Brechen Sie die Alarmstation war da zu lesen, oder Achten Sie auf die Gefahren lieber Gäste. Ratschläge von fundamentalem Wert. Sofern die Konditionen Sie im Gastzimmer zu bleiben fordern: Füllen Sie die Badewanne mit Wasser für nasse Absichten! Vielleicht läßt die Welt sich verstehen. Aber die Liebe? Lassen Sie nie Personen mit unangegangenen Befreiungen zu! Schließen Sie Ihre Türe zweideutig während Beschäftigung des Zimmers... Das ist es: Die Befreiung wird erst einmal unangegangen und dann das Zimmer beschäftigt - ich ahnte! Achten Sie das Personal und die Autoritäten - wie könnte ich anders bei diesem Ton aus sanftester philosophischer Unterweisung? Bleiben Sie niedrig!

Mit mir wars geschehen. Das hat mir kein Gandhi, Hegel oder Konfutse je so gesagt: Bleiben Sie niedrig. Dabei liegt es so nahe - man erlebt mehr, hört mehr, man läßt geschehen. Wenn man z. B. irgendwo im Weg liegt, dann läßt man stolpern. Oder rollt sich noch etwas weg, am besten ganz platt an eine Wand, dann ist man für eine Weile ein Graffiti und kann von reizenden Stadtforscherinnen entdeckt werden. Niedrig bleiben - als Schmuggelgut beispielsweise: Als eine recycelte Pappe per Schiff nach Bahia Blanca, von dort als eine Schachtel Lucky-Strike-Remakes zurück nach Hamburg, verplombt nach Lwow (oder ukrai-nisch Lwiw, früher Lemberg), und von dort dann von Sack zu Sack, von Reisetasche zu Reisetasche gemächlich wieder zurück bis zum Bahnhof Lichtenberg. Direkt in den zarten Arm eines Vietnamesen. So niedrig müßte man sein - was könnte man alles erleben, bis man aufgeraucht ist?

Mein größter Wunsch als heranwachsendes Kind war es immer - und deshalb versteh ich die Hotelphilosophen in Luxor so gut - war es immer, einmal zu Wechselgeld zu werden! Einfach von Hand zu Hand, unvergänglich, bis zur Währungsreform.

Bleiben Sie niedrig! - Ein Satz auf der Höhe der tiefsten Weisheit. Was aber, wenn die Reise dann doch zuende geht - aufgeraucht, Euro-Einführung, als Müll getrennt und entsorgt?

Wenn Sie irgendetwas verdächtige oder erschreckliche Natur bemerken, oder haben Sie einen Bedarf des speziellen Beistands, bitte berühren Sie das Management...

Vielleicht ist Gott nirgends so nah wie bei den Weisen vom Sheraton - Hotel zu Luxor.

»Bitte legen Sie nicht auf!«

Copyright: Manfred Maurenbrecher

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:08
erstellt von jero
Nummer 23
Titelbild
Vorrede
Kurznachrichten: Potpourri Platte
Hans Duschke: Der deutsche Lech Walesa Ahne: Wie ich mal die Welt rettete Horst Evers: Tagesmutter Mark Stefan Tietze: Studentenparty Bov Bjerg: Nich mit mir Andreas Scheffler: Der kindliche Waffengebrauch Jürgen Witte: generation m Uwe Beneke: Im hohen Norrrden Sarah Schmidt: Wahrheit oder Tat Manfred Maurenbrecher: Niedrig bleiben Martin Bering: »Bitte legen sie nicht auf« Falko Hennig: Meine kriminelle Karriere Funny von Dannen: Etwas wie Freude Hinark Husen: Urinieren mit Unterhaltungskünstlern Michael Sens: Die Qualle Hans Duschke: Woll mer se reinlasse Andreas Scheffler: Raetsel Gabi Schlaug: Zahltag Manfred Maurenbrecher: Krank Jürgen Witte: Ansichtskarten Horst Evers: Zwei Plätze für Scholz Bov Bjerg: Hoppala Susan Dreyer: Telefongebührenzähler Hans Duschke: Nacht oder Leben Jürgen Witte: Sei tapfer, Soldat
Victor Orloff: Geheimauftrag AIDS - Folge XXIV
Kavara Bistroj: Der Ausländer
Was die anderen drucken
Impressum
Mehr…
 

Powered by Plone CMS, the Open Source Content Management System

Diese Website erfüllt die folgenden Standards: