Susan Dreyer: Telefongebührenzähler
Da sollte ich den Telefongebührenzähler zurückgeben. Jule wollte lieber die Einzelabrechnung. Wir wohnen zusammen, wir teilen das Telefon, aber die Kosten, die trägt natürlich jeder selbst. Schließlich hab ich ja nichts davon, wenn sie mit Scharnebeck in der Lüneburger Heide telefoniert, nee, davon hab ich nichts, außer daß das Telefon besetzt ist. Wie jetzt auch.
Samstag morgen und richtig frisch kalt, und ich muß den Gebührenzähler zurückbringen, obwohl ich den zwanzig Mark billiger bekommen habe, weil ich so nett war zu dem jungen Verkäufer. Genau zu dem muß ich nun hin und sagen, daß ich den Zähler zurückgeben muß, weil äh, ja, wieso denn? Weil Jule die Einzelabrechnung will? Aber der Verkäufer kennt sie doch gar nicht. Außerdem soll er mir ja das Geld zurückgeben und nicht Jule. Das würde zu ihr passen, ich kaufe den Zähler und sie gibt ihn zurück und telefoniert dann für mein Geld wieder stundenlang herum.
Nee, das geht den Verkäufer auch nichts an. Vielleicht sage ich, daß die Einzelabrechnung viel besser ist? Stimmt ja nicht. Da renne ich Jule jeden Monat hinterher und dann streiten wir uns, wer nun das Ferngespräch mit der Vorwahl 04133 geführt hat, wo doch klar ist, daß sie das war. Wer kommt schon aus der Lüneburger Heide? Deshalb wollte ich ja den Gebührenzähler. Da kann man sich gleich streiten, nicht erst am Monatsende. Ich kann ja behaupten, ich hätte gar keinen Gebührenzähler kaufen wollen, sondern ein Telefon, und hätte es erst zu Hause gemerkt, daß ich mit dem Zähler nicht telefonieren kann.
*
So habe ich es auch gemacht. Allerdings verwickelte mich der nette junge Verkäufer in ein Beratungsgespräch über Telefone. Ich lächelte etwas kränklich, woraufhin er sich ein Herz nahm und mir Rabatt gab, zwanzig Mark. Nun haben wir zwei Telefone, und da Jule nur eins bezahlen will, muß ich morgen wieder in den Laden...