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Funny van Dannen: Der Raub der Sabine

Meine Haut ist nicht mehr so flexibel wie früher! Da konnte ich noch so richtig böse gucken und danach gleich wieder supernett. Heute dauert dieser Wechsel sekundenlang, und deshalb sehe ich viel länger böse aus als noch vor ein paar Jahren, und das beunruhigt mich sehr, denn jeder weiß: Das Äußere beeinflußt das Innere. Werde ich jetzt immer böser? Solche Fragen stellt man sich beim Älterwerden und ist dann dankbar, wenn jemand vorbeischaut, der wirklich Probleme hat, zum Beispiel mein Stiefbruder Bill.

Er liebt die schöne Sabine, und sie liebt ihn auch. Aber er hat einen Nebenbuhler, den sie auch nicht unsympathisch findet, obwohl sie weiß, da& szlig; er Bill die Außenspiegel seines Autos immer wieder abbricht. »Fahr doch eine Weile Fahrrad«, sagte ich zu Bill. »Das wird ihn frustrieren. Fahr zusammen mit Sabine lachend an seinem Haus vorbei!«

Bill wurde still. »Sie wohnt seit gestern bei ihm«, sagte er leise.

Da habe ich Bill weggeschickt, denn Leute mit Problemen helfen einem zwar dabei, das eigene Unwohlsein angesichts des Alterns zu relativieren, aber sonst drücken sie ziemlich auf die Stimmung.

»Verlieb dich doch in eine andere«, sagte ich zu Bill. »Du hast ja wirklich einen Hang zu problematischen Beziehungen!« Doch Bill blieb einfach sitzen.

»Soll ich den Notarzt rufen?« fragte ich genervt. Er saß nur da. Scheißverwandschaft! Ich holte den Jägermeister, und wir tranken ein paar Gläschen. Bill wurde aggressiv. Er setzte sich ins Auto und fuhr zu seinem Nebenbuhler. Ich begleitete ihn aus Sorge, er könnte irgendwelche Dummheiten machen, und er machte sie: Tasso Laschek öffnete die Tür, und Bill schlug ihn sofort k. o.

Während ich mich um den Verletzten kümmerte, rannte Bill ins Schlafzimmer und zog Sabine aus dem Bett. Sie hatte nur ein Kopfkissen an, als Bill sie ins Auto schmiß. Ich rannte hinterher. Ich sprang auf den Beifahrersitz und versuchte Bill zu beruhigen. Bill fuhr los. »Fahr langsam«, sagte ich, »halt an, bitte halt an!«

Tasso Laschek war Franz Lascheks Neffe, und Franz Laschek war der Chef von der Gerüstbaumafia. Sie würden Sabine finden und den armen Bill erledigen, das war todsicher. Ich brüllte: »Bill! Halt an! Sabine, sag was!« Sabine sagte: »Bill halt an! Ich liebe dich!«

»Und warum bist du dann zu diesem Arschloch gezogen?« brüllte Bill. »Kannst du mir das erklärn?«

»Er hat Kohle«, sagte Sabine, »und er ist im Bett viel besser als du!«

Bill trat auf die Bremse! Vor uns lag ein Zebrastreifen. Ein altes Mütterchen wollte die Straße überqueren. Ich winkte. Sie setzte sich in Bewegung und ihr Hündchen ebenfalls. Es kläffte aufgeregt. Es war offensichtlich neurotisch und viel zu fett. Bill kochte! Ich zog den Zündschlüssel und sagte: »So. Laß uns die Plätze wechseln. Dann fahren wir zu mir und besprechen die ganze Sache in aller Ruhe.« Bill kollabierte.

Das Mütterchen erkannte von der anderen Straßenseite aus den Ernst der Situation und kam erstaunlich schnell ans Auto. Wir legten Bill auf den Rücksitz, und die alte Frau leistete Erste Hilfe. Dann fuhren wir alle zusammen ins Krankenhaus. Das Mütterchen saß vorne auf Sabines Schoß, das Hündchen im Arm. Es kläffte immer noch. »Machen Sie bitte das Radio an«, sagte das Mütterchen. »Er braucht Musik!« Ich machte das Radio an. Das Tier beruhigte sich augenblicklich. Wir erreichten das Krankenhaus ohne Zwischenfälle. Bill bekam eine Spritze.

Zwei Stunden später saßen wir alle gemütlich bei mir und tranken Tee. Bill schlief. Sabine hatte sich von meinen Klamotten etwas ausgesucht. Sie hatte Tasso angerufen und ihn gebeten, sie am Abend abzuholen. Es wäre alles in Ordnung.

Wir überlegten, was für Bill das beste wäre.

»Wenn er nicht so eigensinnig wäre«, sagte Sabine, »könnte er bei Tasso als Wachmann anfangen. Dann hätte er endlich ein festes Einkommen und könnte oft in meiner Nähe sein.«

»Ja, ja!« klagte das Mütterchen. »Die Männer sind so unflexibel!«

Und dann erzählte sie aus ihrem Leben und gab uns Tips fürs Älterwerden. Wenn ich die CDs nachlegte, kläffte das Hündchen. Als Tasso Sabine abholte, bat ich ihn, die Alte mitzunehmen und sie zu Hause abzusetzen.

Gegen Mitternacht wachte Bill auf. Ich brachte ihm kaltes Wasser und schlug ihm vor, mich auf der nächsten Tournee zu begleiten. Erstens, damit er neue Leute trifft und Sabine vergißt, und zweitens, weil niemand so schön die zweite Stimme singt.

Copyright: Funny van Dannen

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero

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