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Tube: Achtung, Trickverkäufer!

Mein Fahrrad ist gelb. Damit fuhr ich neulich durch die Rosenthaler Straße, um mir im Schreibwarenladen einen Bleistift zu kaufen. Ich fuhr vorbei am Obstladen, vorbei am Gemüseladen, vorbei am Pizzaladen, vorbei am Dönerladen, vorbei an einigen Polizisten - was mir dann doch nicht gelang. Sie wollten sich mein Fahrrad anschauen. Sie betrachteten es sehr genau von allen Seiten und allen Ecken. Ihr Interesse war so groß, daß ich annahm, sie wollten es erwerben, und ich machte ein entsprechendes Angebot. Meinen Vorschlag, 2500 Mark für ein gelbes, schon sieben Jahre altes Gefährt, hielt ich für recht frech. Aber vielleicht klappt es ja, und die sind so blöd und kaufen es trotzdem.

Doch ich hatte mich geirrt. Sie wollten das Fahrrad gar nicht kaufen. Nein, sie wollten eigentlich mir etwas verkaufen. Was sie dann später auch getan haben.

Für das Produkt, was sie mir zu bieten hatten, verlangten die Polizisten einen unangemessen hohen Preis. Es war ein kleiner gelber Zettel, auf dem irgendwas draufstand, vermutlich Werbung oder so. Für dieses Stück Papier forderten sie zehn Mark. Im Schreibwarenladen hätte ich für's gleiche Geld tausend mal mehr gelbe Zettel bekommen können. Und da wäre keine Werbung drauf gewesen, und man hätte sie auch noch irgendwo hinkleben können.

Aber wenn erst mal rhetorisch geschulte Geschäftsleute auf einen einreden und einem ein Produkt mit geschickten Tricks so richtig schmackhaft machen, dann wird man schnell schon mal übers Ohr gehauen. Und die Argumente der Polizisten waren irgendwann überzeugend.

»Das Fahrrad hat keine Klingel!« sagten sie immer wieder, »das Fahrrad hat keine Klingel!«

»Na und?« sagte ich, »wenn mir jemand im Weg steht, dann schrei ich einfach: >Aus dem Weg, du Idiot!<« - Und ich könnte lauter schreien als jede Fahrradklingel. Woraufhin sie dann fragten, ob ich einen der Polizisten jetzt etwa als »Idioten« bezeichnet hätte.

Ich sagte: »Der Idiot war imaginär.«

Sie konterten: »Man fährt nicht falschrum in Einbahnstraßen.«

Ich erklärte ihnen genau, wo an meinem Fahrrad vorne und wo hinten ist, und daß ich nicht falschrum darauf gesessen hatte.

Sie erklärten mir, daß mit »falschrum« die Fahrtrichtung des Fahrrades relativ zur Straße gemeint war. Ich erklärte ihnen, daß das irrelevant sei, da ich nicht die Straße, sondern nur den Bürgersteig benutzt hätte.

Woraufhin sie mir anboten, den Zettel schnell für zehn Mark zu kaufen, bevor sie die Preise hochsetzten. Und so hatte ich mich in den kleinen gelben Zettel verliebt und ihn für diesen überhöhten Preis gekauft. Schließlich paßt er ja farblich auch ganz gut zu meinem Fahrrad.

Zeichnungen von Marcus Spang

Copyright: Tube

zuletzt verändert: 19.06.2006 13:06
erstellt von jero

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