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Artikelaktionen

Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder

Wahnwitzige Wurstwaren

(Jürgen Witte) Kürzlich wurde mir an der Aufschnittheke bei Reichelt allen Ernstes ein Sonderangebot vom Siebenkornfleischkäse offeriert. Körner in einer Wurst, die auch noch Käse heißt. Brauchste so gut wie kein Brot mehr zu. Falls sie den Kornanteil, und damit ist zu rechnen, weiter erhöhen, dann verkaufen sie das Zeug eines Tages als komplette Stulle. Brauchste dann nur noch zusammenzuklappen.

Gefundenes Fressen

(Ahne) Ein Freund erzählte mir einmal, daß er eine Brieftasche gefunden hätte, in der mehr als 1000 Mark drin gewesen seien. Er hätte sich das Geld eingesteckt und die Brieftasche weggeschmissen. Aber dann hätte er sich das Ganze nochmal überlegt, wäre zurückgegangen, hätte die Brieftasche wieder aufgehoben und aufgegessen. Ich glaub das einfach nicht.

Toffte Terrortruppen

(Bov Bjerg) Rote Armee Fraktion, Irisch-Republikanische Armee - warum nur hatten diese Vereine so ungemütliche, großkotzige Namen? Warum nannten sie sich nicht einfach »Andreas und seine Freunde« oder »John Paul’s Pretty Porridge Prayers«? Ich bin mir sicher: Dann wäre alles anders ausgegangen. Ganz, ganz anders.

Partner für Berlin

(Jürgen Witte) »Wo geht denn der Berliner so hin, um diese Zeit?« Es ist Mittwoch morgen, es geht auf drei Uhr zu, und der Nachtbus fährt von Mitte in die südwestlichen Außenbezirke. Tempelhof haben wir schon hinter uns. »He, Sie, entschuldischen Sie die Schtörung …« Er fragt nochmal: »Wo geht denn der Berliner so hin, um diese Zeit?« Ich drehe mich um: »Ins Bett!« Die drei erlebnishungrigen Männer aus Hessen lachen sich kaputt, als hätte ich eben den grandiosesten Witz des Abends gemacht. Sie loben mich ob meiner ortstypischen Kaltschnäuzigkeit und lassen sich dann darüber aus, wie nett der Berliner doch zu seinen Gästen sei. »In Frankfort, da hätt isch glei ahns ins Maul gekrischt!«

Hobby

(Bov Bjerg) Auf dem Arbeitsamt in Neukölln gibt es einen Sachbearbeiter, der dreht in seiner Freizeit Pornofilme. Mit Figuren aus Knetmasse. Den Knetfiguren gibt er die Namen seiner Chefs. So ein Hobby hätt’ ich auch gern. Aber ich bin ja mein eigener Chef.

Nordisches Suchtverhalten

(Falko Hennig) Der liebe Gott hat alles richtig eingerichtet. Wo viel Sonne scheint, dort haben die Menschen schwarze Haut und können das gut vertragen. Wo keine Sonne ist, in den nördlichen Ländern, trägt der Homo Sapiens milchig gelbe Haut mit vielen Mittessern und strähniges Haar. Als Ausgleich für den nebligen Lichtmangel gab der Herr den Nördlichen Schokolade und Kaffee. Beides, wie auch fett- und zuckerreiche Kost hebt den Glückshormonspiegel auf ein Niveau, das die Menschen zur Bewältigung ihres Alltags befähigt.

Doch verstoßen die Undankbaren gegen die gottgewollte Ordnung. In engen Flugzeugen aus Blech fliegen sie näher an den Äquator. Der Lichtmangel muß dort nicht mehr mit den ungesunden Substanzen ausgeglichen werden. Doch statt ruhig die Wirkung der Sonne abzuwarten, setzen sich die Schweden, Finnen, Deutschen und wie sie sich alle nennen, in ein Restaurant und bestellen extra fettige Chips, Bratkartoffeln und Eisbein. Ist das alles verzehrt, bewegen sie ihre unförmigen Körper zu den Plastestühlen eines Cafés nahebei. Sahnetorte, Espresso, Schokolade wird verschlungen. Dann noch ein Käffchen. Bald ist es Abend, Zeit für Bier und Schnaps. Die Haut leuchtet in allen denkbaren Rottönen. Blöde glücklich grinsen sie in die Sonne.

Ordentliche Gebrauchslyrik (1)

(Jürgen Witte) »Oh wie erfreulich, schon wieder ein Gerüst von Grothe und Greulich«; Werbung einer Berliner Gerüstbaufirma.

Ordentliche Gebrauchslyrik (2)

(Bov Bjerg) »Hardt-Baustoffe. Und Fäkalien sind Lapalien.« Mit zwei P? Ach, schweiget stille, Banausen!

Schicksal

(Bov Bjerg) Daß ich zur Welt kam, nachdem meine Mutter am Vormittag noch einmal groß einkaufen gewesen war, die vollen Taschen am Fahrradlenker nach Hause gefahren; für die Familie, d. h. für sich, für meinen Vater und die zwei bereits vorhandenen Geschwister Eintopf für die nächsten zwei Tage im voraus gekocht; anschließend sauber gemacht, die Wohnzimmerfenster geputzt, auch unter dem Spülstein noch einmal gewischt hatte; daß ich an diesem Samstagnachmittag, so ungefähr gegen halbvier - nein, die Bundesliga war noch nicht erfunden - schließlich zur Welt kam, um zwei Tage am Stück einfach nur zu schlafen, und sonst nichts: Nimmt all das nicht letztlich meinen lebenslang vorbestimmten Tagesablauf gleichsam schicksalhaft vorweg? Nicht? Na, dann eben nicht.

Was ist Verbitterung?

(Andreas Scheffler) Verbittert ist der Mensch, der an die Tür des Hauses Anklamer Straße 4 das Schild mit folgender Aufschrift geklebt hat: »Bitte auch weiterhin diesen Hauseingang mit besonders viel Hundescheiße beglücken. Danke.« - Zutiefst verbittert.

Teigwaren

(Gabi Schlaug) In der Bäckerei fragt ein Mädchen ganz naiv und harmlos die Verkäuferin, ob die Obsttorte vom heutigen Tag sei, worauf die Angesprochene patzig und zutiefst im Inneren getroffen erwidert: »Von wann soll die denn sonst sein?« Das Kind schweigt und zieht, ganz eingeschüchtert, den Kopf ein. Das reicht der loyalen Verkäuferin aber noch nicht. In ihr rumort es sichtlich, die Frage muß gesühnt, der Chef verteidigt werden. »Der Thoben«, sagt sie, nickt gewichtig und blickt dem Mädchen tief in die Augen, »bekäme einen Herzinfarkt, hätte er das gehört.«

Probleme

(Bov Bjerg) Ein Freund, der gerade seine Diplomarbeit in Elektrotechnik schreibt, erzählt, er habe ein Problem, das - obacht, so wörtlich: »ins Vierdimensionale lappt«. Puh, da geht’s mir ja noch gold.

Lochblech

(Jürgen Witte) In der Hoch-Bahn Richtung Kreuzberg saßen die beiden mit gehörigem Abstand voneinander auf der gleichen Bank. Er, einiges an Metall im Gesicht, hatte sich in die Ecke gelümmelt und musterte wohlwollend ihre, auch reichlich vorhandenen Blechverzierungen. Als sie endlich mal für einige Sekunden zu ihm rüberblickte, grinste er und streckte ihr seine chromkugelbeschwerte Zunge heraus und schlabberte damit anzüglich herum. Sie züngelte zaghaft zurück. Auch sie hatte sich die Zuge durchstechen lassen. Erstmals wurde mir das Archaische dieser Mode bewußte. Das Gebalze hier erinnerte mich wirklich an Hunde, die sich schwanzwedelnd gegenseitig beriechen.

Noch lagen gute zwei Meter Sitzbank zwischen den beiden. Falls sie zusammenkommen, dachte ich beim Aussteigen, gibt das sicher manchmal ganz lustige Geräusche beim Knutschen. Auch diverse Gemeinheiten, die sie dabei dem Gegenüber antun könnten, kamen mir in den Sinn.

Wie man’s macht...

(Andreas Scheffler) Im Mai: Nach der Veranstaltung beschweren sich zwei Zuhörer: »Schlimm! Es ist Krieg, und Ihr redet über Spargel.« Ulrich: »Mann! Es ist Spargelzeit und Ihr redet über den Krieg.«

Problemzone Freibad

(Jürgen Witte) »Ja, das sind so 20er Jahre Badeanzüge, in Schwarz mit ganz viel Stoff, also auch an den Beinen und so. Aber das kannste nur anziehen, wenn du wirklich total schlank bist! Sonst sieht das ganz eklich Scheiße aus.«

Was macht eigentlich Horst Schwerdtfeger?

(Bov Bjerg) Was macht eigentlich der Mann, der einstmals wie aus heitrem Himmel, ich war zufällig Zeuge, das großartige Diktum prägte: »Das größte Schwein im ganzen Land ist und bleibt der Redundant.« Was macht eigentlich Horst Schwerdtfeger? Was macht er?

Copyright: Salbader.
Mitwirkende: Jürgen Witte, Ahne, Bov Bjerg, Falko Hennig, Andreas Scheffler, Gabi Schlaug

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero
Nummer 25
Titelbild
Vorrede
Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Hinark Husen: Illegale Postwurfsendungen Ahne: Meisengeschichte Jürgen Witte: Wahltage Horst Evers: In Würde Altern Robert Rescue: Hauptsache Arbeit Bov Bjerg: Beim Inder in der WO? Andreas Scheffler: Arbeit um Acht Hans Duschke: Vom Amt Ulrich Roski: Ich lerne sprechen Andreas Scheffler: Nürnberg Sarah Schmidt: Urlaub in Berlin Gabi Schlaug: Bier Manfred Maurenbrecher: Europa: zwei Stimmen Ulrich Hannemann: Eistee für unsere Taxifahrer Gunar Klemm: Vom schönen Landleben Falko Hennig: Schlangenschicksal Andreas Rüttenauer: Die Siedler Jürgen Witte: Ist Geldgeilheit heilbar? Horst Evers: Am Gemüsestand Tube: Typischer Tagesbeginn Gabi Schlaug: Lesen in Neukölln Bov Bjerg: »IS’ ROT.«
Kvara Bistroj: Der Ausländer
Werswer
Victor Orloff: Geheimauftrag AIDS - Folge XXVII
Aufruf gegen den Tonfilm
Impressum
Mitteilung: Viktor Orloff - Unterstützungs- kommitee
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