Uli Hannemann: Eistee für unsere Taxifahrer
Ich lege mich hinter einem Pfeiler auf die Lauer und muß nicht lange warten: Vorsichtig rollt eine Taxe heran und verhält neben dem Bottich. Langsam steigt der dicke Fahrer aus, stutzt und beäugt mißtrauisch das Schild. Was ein stattlicher Bursche! Steil hebt er das Schnuppernäschen, versucht nach allen Seiten Witterung aufzunehmen. Eine Falle? Muß er, wie so viele seiner Artgenossen, in Kürze zerquetscht den schadhaften Straßenbelag ersetzen?
Schließlich siegt dann doch die Gier über die Vorsicht und ungestüm macht sich der putzige Gesell über das leckere Getränk her. Wie er grunzt und schmatzt, der kleine Racker! Wie es ihm schmeckt! Scheppernd stößt er am Ende den Topf um, um auch das letzte Tröpfchen herauszuschlecken. Nichts gönnt er seinen stachligen Kollegen, die sicher bald kommen müssen.
So - nun hat er sich genug gestärkt für den langen Taxihaltenschlaf. Zufrieden rollt er sich in seiner Droschke ein und schlummert auf der Stelle weg.
