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Sarah Schmidt: Hauptstadtsstrom

Der Unterschied vom gewöhnlichem Strom zu Hauptstadtsstrom, das ist unsere Leistung (BEWAG-Eigenwerbung)

Die BEWAG senkt ihre Preise. Dafür wurden Werbe- und Informationsbriefe verschickt. Ich erhielt meinen am ersten November. Haben die das denn nicht früher gewußt? Die neuen Tarife gelten nämlich auch ab genau diesem Datum. Nun gut, dacht ich mir, will ich mal nicht so kleinlich sein und las den Brief und die beiliegende Broschüre: »Strom ist nicht mehr Gleichstrom« durch.

Ab jetzt, so lerne ich, gibt es guten Strom, Berlin Klassik, das ist Qualitätsstrom, der riecht nach Praxis Bülowbogen und Die Drei Damen vom Grill, also altberlinerisch; und es gibt den bösen Strom, der heißt Mixstrom und kommt wahrscheinlich aus chinesischen Zwangsarbeiterlagern. Dort wird er von kleinen Kinderhänden unter unwürdigsten Bedingungen produziert und aus diesem Grunde gibt es keinerlei Informationen darüber. Ich denke Amnesty International muß eingeschaltet werden.

Außerdem gibt es noch Öko Pur-Strom, der hat den gleichen Namen wie mein Klopapier und ist deswegen arschteuer.

Berlin Klassik gibt es in zwei Varianten, Klassik Plus ist für die Kunden, die gerne mal etwas mehr Strom verbrauchen. »Schatz, mir ist heut so mondän, lass doch einfach mal die Kühltruhe offenstehen!«

Ich habe mich für den popeligen Berlin Klassik entschieden, denn da mußte man gar nicht wählen, den bekam man einfach so zugewiesen wie ein Zimmer im sozialen Wohnungsbau.

Copyright: Sarah Schmidt

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero
Nummer 26
Titelbild
Vorrede
Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Horst Evers: Leben zur Jahrtausendwende Sarah Schmidt: Hauptstadtstrom Jürgen Witte: Wie ich einmal total zynisch drauf war Ahne: Kleines Haus Andreas Scheffler: Modernisierungs- maßnahmen Hans Duschke: Mittagspause Bov Bjerg: Pffft ... Die Kunst des Weglassens Tube: Fünfen und Sechsen Hinark Husen: 30 Sekunden Operngeschichte Andreas Gläser: Stubenhocker Ahne: Wenn ich an Kreuzberg denke Wladimir Kaminer: Die erste eigene Wohnung Horst Evers: Das Gespräch Robert Naumann: Ohrenklappen in Marzahn Dr. Seltsam: Der Prozess Jürgen Witte: Die Technik wird weiblich Sarah Schmidt: Ich muß zelten Hinark Husen: Kleine Vorurteilskunde Bov Bjerg: Hinter Lychen Andreas Scheffler: Baugerüst Robert Rescue: Die gemietete Nacht Ulrich Hannemann: Herr Rolf Hans Duschke: Ist die Nordsee noch Mordsee Andreas Scheffler: Den Stier wenden Falko Henning: Norwegischer Urlaub
Kvara Bistroj: Der Ausländer
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