Andreas Gläser: Stubenhocker
Die Menschen sind immer unterwegs. Unterwegs um die Zeit totzuschlagen. Das würde ich auch machen, wenn ich mich nicht darauf eingelassen hätte, für diese Hallodries das Kind zu hüten. Sie lassen mich zur Tür herein und sagen: »Hallo! Der Kleine schläft schon, im Nebenzimmer. Hier is ne Flasche Selter. Irgendwo steht auch Bier rum, tschüss!«
Ich antworte: »Na gut. Ne Selter is in Ordnung. So für zwei Stunden, tschüss!« - »Ja, tschüss!« - »Machts gut.« - »Ja, wir werden dann mal« - »Nun haut doch ab!« Wenig später frage ich mich bei diesen Hallodries: »Wat is ´n dit für ´n Fernseher? Ach, ´n defekter. Und wat is dit für ´n Radio? Ach, ne kaputte Schallplattenradioholzkommode von Blaupunkt. Also, zwee Stundn lesn, naja.«
Während ich so auf dem Stubenhocker sitze, leere ich meine Selter. Nach vier Stunden denke ich: »Ach, so ´n Bier wär jetz nich verkehrt.« Allerdings gibt es hier gar kein Bier! Der Kleine schläft im Nebenzimmer - angeblich! Ich habe ihn bisher weder gesehen noch gehört! Wahrscheinlich schläft im Nebenzimmer... Niemand! Sicherlich räumen diese Hallodries mir gerade meine Wohnung aus! Aber was solls? Viele Geräte sind schon kaputt.
