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Jürgen Witte: Die Technik wird weiblich

Frauen haben es mit der Technik gern mal schwer. Bei manchen geht das soweit, daß sie das Aufschrauben eines plötzlich versagenden Staubsaugers genauso verabscheuen wie Mord, Kinderarbeit und Orangenhaut. Auch post-feministische »Wir machen jetzt den Kofferraum freudig auf und stürzen uns auf den Reifenwechsel« -Seminare haben wenig daran geändert. Frauen schlagen sich lieber mit ihrer emotionalen Intelligenz durchs Leben. Darf halt nur nichts kaputt gehen. Dann ist doof.

Frauen regieren auf Defekte von Geräten spontan, leicht hysterisch und vielfach völlig planlos. Die meisten kennen eigentlich nur eine Methode der technischen Fehlerbeseitigung. Diese simple Methode heißt: Ausschalten, Anschalten und Daumen drücken, in der Hoffnung, daß alles dann plötzlich und wundersam wieder funktioniert.

Ein Reparaturversuch, der von vielen, auf ihr technisches Verständnis stolzen Männern immer sehr belächelt wurde. Stille Stoßgebete zum Herrn von Ohm, Watt und Ampere.

»Was soll denn das jetzt bringen?« hört man gestandene Männer sagen, wenn im Büro der Computer mal wieder streikt. Und doch ist es gerade diese, sehr weibliche Methode der Fehlerbeseitigung, die bei programmgesteuerten Maschinen die wirkungsvollste ist. Aufschrauben bringt da quasi gar nichts mehr.

Und was nutzt es den Männern da noch, daß sie hinterher vielleicht erklären können, warum solch ein Ding jetzt plötzlich wieder läuft.

»Halt´s Maul, es funktioniert doch!« In gönnerhaftem Tonfall referierte, langwierige Belehrungen sind nichts anderes, als der verzweifelte Versuch, die längst verloren Vormachtstellung auf technischem Terrain doch noch zu behaupten. Die Geräte aber, sprechen eine andere Sprache. Und in einigen Jahren funktioniert dieser Ein/Ausschalt-Trick vielleicht selbst bei digital gesteuerten Staubsaugern.

Copyright: Jürgen Witte

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero
Nummer 26
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Vorrede
Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Horst Evers: Leben zur Jahrtausendwende Sarah Schmidt: Hauptstadtstrom Jürgen Witte: Wie ich einmal total zynisch drauf war Ahne: Kleines Haus Andreas Scheffler: Modernisierungs- maßnahmen Hans Duschke: Mittagspause Bov Bjerg: Pffft ... Die Kunst des Weglassens Tube: Fünfen und Sechsen Hinark Husen: 30 Sekunden Operngeschichte Andreas Gläser: Stubenhocker Ahne: Wenn ich an Kreuzberg denke Wladimir Kaminer: Die erste eigene Wohnung Horst Evers: Das Gespräch Robert Naumann: Ohrenklappen in Marzahn Dr. Seltsam: Der Prozess Jürgen Witte: Die Technik wird weiblich Sarah Schmidt: Ich muß zelten Hinark Husen: Kleine Vorurteilskunde Bov Bjerg: Hinter Lychen Andreas Scheffler: Baugerüst Robert Rescue: Die gemietete Nacht Ulrich Hannemann: Herr Rolf Hans Duschke: Ist die Nordsee noch Mordsee Andreas Scheffler: Den Stier wenden Falko Henning: Norwegischer Urlaub
Kvara Bistroj: Der Ausländer
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