Jürgen Witte: Die Technik wird weiblich
Frauen haben es mit der Technik gern mal schwer. Bei manchen geht das soweit, daß sie das Aufschrauben eines plötzlich versagenden Staubsaugers genauso verabscheuen wie Mord, Kinderarbeit und Orangenhaut. Auch post-feministische »Wir machen jetzt den Kofferraum freudig auf und stürzen uns auf den Reifenwechsel« -Seminare haben wenig daran geändert. Frauen schlagen sich lieber mit ihrer emotionalen Intelligenz durchs Leben. Darf halt nur nichts kaputt gehen. Dann ist doof.
Frauen regieren auf Defekte von Geräten spontan, leicht hysterisch und vielfach völlig planlos. Die meisten kennen eigentlich nur eine Methode der technischen Fehlerbeseitigung. Diese simple Methode heißt: Ausschalten, Anschalten und Daumen drücken, in der Hoffnung, daß alles dann plötzlich und wundersam wieder funktioniert.
Ein Reparaturversuch, der von vielen, auf ihr technisches Verständnis stolzen Männern immer sehr belächelt wurde. Stille Stoßgebete zum Herrn von Ohm, Watt und Ampere.
»Was soll denn das jetzt bringen?« hört man gestandene Männer sagen, wenn im Büro der Computer mal wieder streikt. Und doch ist es gerade diese, sehr weibliche Methode der Fehlerbeseitigung, die bei programmgesteuerten Maschinen die wirkungsvollste ist. Aufschrauben bringt da quasi gar nichts mehr.
Und was nutzt es den Männern da noch, daß sie hinterher vielleicht erklären können, warum solch ein Ding jetzt plötzlich wieder läuft.
»Halt´s Maul, es funktioniert doch!« In gönnerhaftem Tonfall referierte, langwierige Belehrungen sind nichts anderes, als der verzweifelte Versuch, die längst verloren Vormachtstellung auf technischem Terrain doch noch zu behaupten. Die Geräte aber, sprechen eine andere Sprache. Und in einigen Jahren funktioniert dieser Ein/Ausschalt-Trick vielleicht selbst bei digital gesteuerten Staubsaugern.