Andreas Scheffler: Baugerüst
Da stehst Du also, Baugerüst.
Wenn ich bloß Deine Meinung wüßt
zu Deinem Sinn, zu Deinem Nutzen.
Du bist nicht da zum Fensterputzen.
Hauptsächlich macht man auf Dir Dreck.
Also scheint das Dein Lebenszweck.
Von außen bist Du dicht verhangen,
ein grünes Netz hängt an den Stangen.
Jedoch von innen seh ich Dich,
und - ohne Scheiß - es gruselt mich.
Auf Brettern, Bohlen und den Leitern
ist alles voll von Bauarbeitern.
Gesteh es offen und dann schwöre:
Bist Du gern Plattform für Voyeure?
Da! Ein Gesicht, es grinst und glotzt.
Schon häufig hätt ich fast gekotzt.
Dann seh ich meinen Arm, er winkt.
Das nennt man dann ja wohl Instinkt.
Doch meistens hör ich nur den Krach,
bin lange Zeit vor Acht schon wach.
Ich sitz zuhaus und kann nichts machen,
kann nicht einmal darüber lachen.
Nur oftmals, wenn ich auswärts gehe
und Dieses an Dir hängen sehe:
Erscheint es Dir nicht auch manchmal,
als hättest Du ein Genital?
Man glaubt beinah, die Röhre birst,
wenn Du den Schutt ejakulierst.
Ich seh den Staub, grinse mir einen
- ein schwerer Fall von Blasensteinen.