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Kvara Bistroj: Der Ausländer

Heute: Der Tunesier

Der Tunesier ist stolzer Sproß eines uralten Nomadengeschlechts. Seit altersher bewegt er sich im Bermudadreieck von Camping, Kamelen und Kunsthandwerk. Macht aber jeden Fortschrittsscheiß gerne mit. Der Gestank seiner Kamele wird nur noch von den Abgasen der französischen Rostlauben übertroffen, mit denen sich der Tunesier heute hupend und fluchend fortbewegt.

Dieses Berbervolk ist kreuz und quer in Afrika zu Hause. Immer unterwegs, in einer staubigen Landschaft wo jedes unscheinbare Sandkorn einzigartig ist und in blumenreicher Sprache eine sterbensmüde Geschichte zu erzählen weiß. Da muß der Tunesier dann Rast machen und kaum hat er sein Zelt aufgeschlagen, schon gibt es bei ihm schaurig süßen Tee und aufdringlich klebrige Gastfreundschaft.

Der echte alte Tunesier trägt einen langen Lappen auf dem Kopf, der jüngere Tunesier trägt auch gerne mal den Fez, einen klassischen Filzhut, dessen einstmals stolz ausladende Krempe sich im Laufe der Jahrhunderte völlig abgeschliffen hat, die heftigen nordafrikanischen Sandstürme mögen das Ihre dazu beigetragen haben.

Der Tunesier, der auch tagsüber häufig im Nachthemd rumläuft, spricht gerne, er spricht viel, und er spricht laut; auch mit den Händen. Am liebsten entschuldigt er sich. Zu diesem Zweck holt er massig europäische Touristen ins Land und gibt ihnen reichlich Gelegenheit, sich über mangelnde Hygiene, Kakerlaken auf den Zimmern und schmutzige Handtücher im Bad zu beschweren.

Ja, ja, so ist er, der Tunesier.

Beim nächsten Mal: Der Monegasse

Copyright: Kvara Bistroj

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero
Nummer 26
Titelbild
Vorrede
Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Horst Evers: Leben zur Jahrtausendwende Sarah Schmidt: Hauptstadtstrom Jürgen Witte: Wie ich einmal total zynisch drauf war Ahne: Kleines Haus Andreas Scheffler: Modernisierungs- maßnahmen Hans Duschke: Mittagspause Bov Bjerg: Pffft ... Die Kunst des Weglassens Tube: Fünfen und Sechsen Hinark Husen: 30 Sekunden Operngeschichte Andreas Gläser: Stubenhocker Ahne: Wenn ich an Kreuzberg denke Wladimir Kaminer: Die erste eigene Wohnung Horst Evers: Das Gespräch Robert Naumann: Ohrenklappen in Marzahn Dr. Seltsam: Der Prozess Jürgen Witte: Die Technik wird weiblich Sarah Schmidt: Ich muß zelten Hinark Husen: Kleine Vorurteilskunde Bov Bjerg: Hinter Lychen Andreas Scheffler: Baugerüst Robert Rescue: Die gemietete Nacht Ulrich Hannemann: Herr Rolf Hans Duschke: Ist die Nordsee noch Mordsee Andreas Scheffler: Den Stier wenden Falko Henning: Norwegischer Urlaub
Kvara Bistroj: Der Ausländer
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