Kvara Bistroj: Der Ausländer
Heute: Der Tunesier
Der Tunesier ist stolzer Sproß eines uralten Nomadengeschlechts. Seit altersher bewegt er sich im Bermudadreieck von Camping, Kamelen und Kunsthandwerk. Macht aber jeden Fortschrittsscheiß gerne mit. Der Gestank seiner Kamele wird nur noch von den Abgasen der französischen Rostlauben übertroffen, mit denen sich der Tunesier heute hupend und fluchend fortbewegt.
Dieses Berbervolk ist kreuz und quer in Afrika zu Hause. Immer unterwegs, in einer staubigen Landschaft wo jedes unscheinbare Sandkorn einzigartig ist und in blumenreicher Sprache eine sterbensmüde Geschichte zu erzählen weiß. Da muß der Tunesier dann Rast machen und kaum hat er sein Zelt aufgeschlagen, schon gibt es bei ihm schaurig süßen Tee und aufdringlich klebrige Gastfreundschaft.
Der echte alte Tunesier trägt einen langen Lappen auf dem Kopf, der jüngere Tunesier trägt auch gerne mal den Fez, einen klassischen Filzhut, dessen einstmals stolz ausladende Krempe sich im Laufe der Jahrhunderte völlig abgeschliffen hat, die heftigen nordafrikanischen Sandstürme mögen das Ihre dazu beigetragen haben.
Der Tunesier, der auch tagsüber häufig im Nachthemd rumläuft, spricht gerne, er spricht viel, und er spricht laut; auch mit den Händen. Am liebsten entschuldigt er sich. Zu diesem Zweck holt er massig europäische Touristen ins Land und gibt ihnen reichlich Gelegenheit, sich über mangelnde Hygiene, Kakerlaken auf den Zimmern und schmutzige Handtücher im Bad zu beschweren.
Ja, ja, so ist er, der Tunesier.
Beim nächsten Mal: Der Monegasse