Kvara Bistroj: Der Ausländer
Heute: Der Monegasse
Der Monegasse hat es gut: Im Süden die Sonne, vor der Tür das Mittlere Meer, im Hafen die segelnde Jacht. Und wenn im Märzen die Palmen blühen, dann singt er (berauscht von so viel Glück) sein folkloristischstes Chanson. Drum Reisende: Meidet Monaco im März, denn musikalisch ist der Monegasse nicht.
Das Geld des Monegassen heißt Jeton. Es ist zwar aus Plastik aber trotzdem grobschlächtig groß und unhandlich, deshalb bevorzugt der Monegasse zu jeder Jahreszeit luftig weite Hosen mit möglichst tiefen Taschen. Für größere Einkäufe werden allerdings Schubkarren benötigt.
Sein Sinn für Schönheit ist von solchen kleinen Widrigkeiten des Alltags ungetrübt. Als er einmal im Kino eine graziöse Blondine sah, bat der Monegasse seinen Fürsten: »Die da mach zu unserer Fürstin. Ich will dir ewig dankbar sein.« Nicht widerstehen konnte Fürst Rainier dieser Stimme seines Volkes, und obwohl Bing Crosby sie geküßt und Frank Sinatra mit ihr gebadet hatte, heiratete er sie doch. Jetzt aber ist sie schon lange tot. Und die Kinder sind auch nicht wohl geraten.
Ob Formel 1, ob Raubtierschau: Manch Zirkus ist hier gern gesehener Gast und stellt sich einem gnadenlosen Wettbewerb. Am Ende aber klopft der Fürst dem Sieger dreimal kräftig auf die Schulter. Das soll Glück bringen.
Ja, ja, so ist er, der Monegasse
Beim nächsten Mal: Der Tibeter