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Vorrede

Liebe Leserin,

es ist doch so: Nimmt man von Deinesgleichen Stücker hundert, so sind darunter wenigstens einhundertfünfzig, die "auch selbst" schreiben. Aber, mal ganz ehrlich: Nimmt man ein halbes Dutzend Redakteure des Salbader, so findet man darunter keinen, der gern liest. Die meisten lesen überhaupt gar nie nicht.

"Wie wählt ihr denn dann aus, was in das Heft kommt?" Das, liebe Leserin, ist eine kluge Frage. Die Antwort lautet: Wir wiegen. Was zu schwer befunden wird für unser zierlich Heft, findet seine Bestimmung andernorts. Einsendungen von 50 bis 500 Gramm etwa werden einfach gelocht. Die runden Schnipsel werden von emsigen Heimarbeitern sortiert, handkoloriert und dann beutelweis ins Rheinland expediert. So kommt manches Manuskript doch noch dem Humorwesen zugute.

Konvolute von einem Pfund aufwärts aber werden unbesehen an unseren Kassier Herrn Sch. geforwardet, welcher sich im Fläming einen gewissen Namen als Nebenerwerbsdatschenwärmedämmer gemacht hat: "Dämm´ Deine Wand mit Manuskripten / und Du schwitzt wie in Ägypten."

Daß es uns auf diese Weise wohl gelungen ist, das Werk so vieler später Kafkas, Hesses und Bukowskis schon lange vor der Blüte im Keime zu ersticken - wer dankt es uns? Tausende von zufriedenen Leserinnen und Lesern.

Aber wir sind ja gar nicht so. Manuskripte nämlich von weniger als 20 Gramm (etwa drei Seiten) erwärmen unsre Herzen, nicht unsere Öfen. Die Geschichten möchten aber bittschön eine Handlung haben und die Gedichte einen Reim. Von Geschichten ohne H. und Gedichten ohne R. haben wir selbst genug.

Zuletzt ein Hinweis auf das sog. "Internet", jenes Paralleluniversum, das wir uns vor einigen Jahren ausgedacht haben. Ende des Hinweises.

Viel Freude beim Lesen wünscht

die Redaktion

Copyright: Salbader.-Redaktion

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero

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