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Spider: Schach

Schlüppi und Fussel spielen Schach.

Fussel hat mehrere Bauern geopfert und Schlüppi ist schon ziemlich besoffen.

Fussel verspricht sich davon einen Vorteil. Tatsächlich: Schlüppi hat nicht aufgepaßt jetzt darf Fussel den Läufer austrinken. Genußvoll läßt er den Küstennebel aus der schlanken Flasche in seinen Hals sickern. Als nächstes schlägt er einen Springer und als er den Piccolo ausgetrunken hat, ist die Spielstärke wieder ausgeglichen.

Es ist ein flüssiges Spiel: Kneipenschach. Die Bauern sind Kümmerlinge, die Springer Sektpiccolos und die Läufer Küstennebel. Dafür brauchen sie einen großen Tisch. Schwarze und weiße Karos. Dann gibt es noch die gefährlichen Türme: Faxebüchsen. Die Damen sind bauchige Eierlikörflaschen, die Könige Pullen mit A&P Klarer. Schlüppi und Fussel spielen natürlich nicht nur in Kneipen. Sie spielen immer, überall und bei jeder Gelegenheit. Jetzt spielen sie gerade bei sich zu Hause.

Schach ist ihr liebstes Hobby. Sie spielen es bis zum Erbrechen. Im Strandbad, im Urlaub, bei der Love-Parade. Wenn andere das sehen, sind sie gleich Feuer und Flamme. Alle wollen mitspielen. So haben die beiden schon viele neue Freunde und Schachpartner gefunden.

Manchmal spielen sie alle zusammen im Park Riesenschach. Dann werden Fässer hin und her gewuchtet und diese komischen Weinbrandpullen, die in manchen Auslagen zu bestaunen sind, die sind mindestens einen Meter hoch. Wichtig ist es, das Spiel in Fluß zu halten.

Schlüppi und Fussel haben das Schachspiel revolutioniert und von seinem verstaubten Image befreit. Früher war Schach was für Wunderkinder, heute ist es auch was für Flaschenkinder. Morgen wird es Kopfschmerzen geben. Nach ein, spätestens zwei Tagen Schach braucht man einen Tag Pause.

Jetzt sind die Bauern alle. Schlüppi setzt sich ins Auto und fährt noch mal zur Tankstelle, Bauern holen. Fussel blättert solange in der Schachzeitschrift, die heute bei Getränke-Hoffmann auslag, und guckt sich die Sonderangebote an. Er ist nachdenklich. Noch ist Schach ein Breitensport. Aber wie lange wird das noch so sein? In Amerika wird gerade ein Schachcomputer mit einer riesigen Elektronenleber gebaut: Deep Blue. Werden Spieler wie Schlüppi und Fussel dann noch den Promillebruchteil einer Chance haben? Denkt mal drüber nach!

Copyright: Spider

zuletzt verändert: 12.06.2006 00:07
erstellt von jero
Nummer 30
Titelbild
Vorwort
Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Horst Evers: Innere Sicherheit I Jürgen Witte: Vom Lächeln Andreas Scheffler: Wachs nicht so geschwind! Daniela Böhle: Ich bin Aktienbesitzerin Uli Hannemann: So schnell kann's gehen Spider: Schach Sarah Schmidt: Nazis stoppen Andreas Gläser: Ausziehen! Theo Fuchs: Kalter Döner Ahne: Flug LH 2231 nach Dortmund Konrad Endler: Kryptozoologen Tom Beinlich: Ich bin die Frau Bauer Horst Evers: Innere Sicherheit II Jochen Schmidt: Cindy und der Arsch Gottes Bettina Andrae: Gelichter Bov Bjerg: Bericht von der Durchquerung... Tube: Georges Workman Volker Strübing: Wenn ich ein Moorhuhn wäre Jürgen Witte: Ruinen Hans Duschke: Drei Chinesen vor dem Fahrstuhl Dan Richter: Angeln Christian Enggassner: Wege zum Ruhm Birgit Utz: Der König vom Camping Spider: Im Mastdarm der Ewigkeit Hinark Husen: Wedding wird Hauptstadt Ingo Klopfer: Kappenwerfen in Kurdistan Uli Hannemann: Süß und Herb Andreas Gläser: Im Tal der Demokratie
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