Christian Enggassner: Wege zum Ruhm
Nein, ich bin nicht direkt arm, aber es fehlt an vielem. Ist auch keine Schande, so geht es ja den meisten. Mein Nachbar, zum Beispiel, wünscht sich ein Kalb. Ich weiß nicht was er damit will, aber er wünscht es sich und das genügt. Schließlich, mit Arbeit allein erreicht man ziemlich wenig. Man kann zwar ein Stück Brot kaufen, eine Tüte Milch und etwas Wurst, aber sonst? Also ich für meinen Teil, möchte auch gerne die Schnauze in den Trog stecken. Aus dem Vollen schöpfen, Zeppeline fliegen, Kälber oder so. Aber es geht nicht. Leider.
Bis gestern. Gestern fand ich nämlich im Altpapier ein Schweineheft. Ich habe nach Lebensmittelmarken gesucht und ein Ferkelmagazin gefunden. Die Fotos darin waren freilich ernüchternd. Korpulente Trafikantinnen und magere Sozialarbeiter boten ihre Leiber dar. Entsetzlich. Es gab 09-30 Nummern die zum Live-Sex mit Geographie-Studentinnen einluden, eine Nymphomanin (Trixi: wild, tabulos, taub) und einen erniedrigungssüchtigen Kastraten (Hermann 56, belastbar). Weiter hinten gab es Zwerge mit Ketten, Latinos mit Vorstrafe, Schweizer mit Hoden, und es gab Hertha St. Claire.
Und diese Dame, oder vielmehr ihr Managment lockt mit einer Million. Ungelogen! 1 Million bekommt der Kerl, der die Schlampe schafft. In Mistelbach. Ist ein Weltrekordversuch. Hertha gegen tausend Pimmel, und wer überbleibt hat gewonnen. Was? Na sicher habe ich mich beworben. Ich habe wie gewünscht ein Ganzkörper-Foto eingeschickt. Christian im Schlafanzug. Voll sinnlich. Ohne viel verraten zu wollen, aber ich glaube ich hab’ da echt ’ne Chance. Schließlich schlucke ich seit Jahren Multivitamin-Präparate. Tonnenweise. Und ich laufe im Amt die Stiegen auf und ab wie ein Leopard. Das wird mir auch vom Portier bestätigt: »Herr Enggassner, Sie laufen wie der Leopard.« Gewichte stemme ich zwar nicht, aber ich atme gut. Das sagt auch mein Arzt: »Sie atmen gut.«
Taktik habe ich auch. Ich werde die ganzen jungen Hüpfer vorlassen, und wenn die Schnecke schwer am schnobbern ist, pfeif ich mir zwei Calcium Tabletten ein und gebe ihr den Rest. Müßte klappen. Ich werde mir für den Gewinn später ein Rentier kaufen, das wollte ich schon immer (fragen Sie mich ruhig wieso) und eine Hammondorgel. Sollte noch was übrig bleiben, bestell ich ein Trapez. Das schenke ich meiner Mutter, und eine Uhr für mich. Die kann dann ruhig aus Gold sein, ich hab’s ja schließlich.
Es ist eigenartig, aber oft beschleicht einen ein Gefühl, daß man es nicht schafft, und dann hört man Sachen, und die werfen einen um. Und hinterher ist alles ganz einfach. Verrückte Geschichte, das.