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Vorwort

Liebe Leserin!

Mit den Kritikern ist das ja so eine Sache. Soll man sie überhören, soll man sie Schulterfurze heißen, oder soll man sich doch lieber in blut- und hirngetränkten Tötungsphantasien suhlen?

Die Mitteilung, daß einschlägige Bücher der Herren Walser und Kirchhoff und Schnuppelbacke früher als geplant erscheinen würden, hat uns zutiefst erschüttert. Das gab es? Ein Druckwerk konnte einfach früher als geplant erscheinen? Wir konnten also Salbader 31 ohne weiteres bereits im Jahr 2002 »auf den Markt werfen« (Verlegerjargon)? Hatten wir vielleicht sogar die Pflicht dazu? Weil andernfalls »unsre kleinen geilen Leseschweinchen« (Buchhandelsjargon) auf den »gequirlten Scheißdreck der anderen« (Schriftstellerjargon) angewiesen waren?

Den Ausschlag gab schließlich eine kleine Mitteilung im Börsenblatt:

Wie der Göttinger Steidl-Verlag mitteilt, beabsichtigt Günter Grass, seine Novelle »Im Krebsgang« für die nächste Auflage geringfügig zu überarbeiten.

Aus dem Flüchtlingsschiff »Wilhelm Gustloff« werde die Barke »Alfred Kerr«. Dieses Schiff sei mit 5000 jüdischen Literaturkritikern an Bord auf dem Weg von Frankfurt nach Helgoland. Auf der Höhe von Mainz gerate die »Alfred Kerr« in den Hinterhalt einer Flotte von Gummibooten. »Und dann wird der Kutter in Klump geschossen, dass alles zu spät ist, doo!« (Grass)

Alle 5000 Kritiker, so Grass, »ersaufen total jämmerlich, und wehe, da schwimmt einer an Land, den schubs´ ich höchstpersönlich zurück ins Wasser!«

Das Ende wollte man noch nicht verraten, es gehe aber alles gut aus, und alle seien wieder lebendig.

»Wir« (Redaktionsjargon) haben also schnell dieses Heft druckfertig gemacht. Im Salbader-Hochhaus erlöscht das Licht. Gemeinsam fahren wir nun ins 9. Untergeschoß. Wo die naßkalten Grotten sind. Höchste Zeit für das vereinbarte »Hintergrundgespräch« mit einigen unserer Kritiker.

Viel Freude beim Lesen wünscht die Redaktion.

Copyright: Salbader.-Redaktion

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07
erstellt von jero

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