Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Bush-Demo-Aufruf
(Bov Bjerg) »Wie werde ich zum Indianer, Cowboy, Cowgirl und Greenhorn? Cowboyhüte, Lassos, Indianerfedern (einfach mit Gummiband um den Kopf, Federn gibts im Bastelladen), Flanellhemden, Korsetts, Jeans, Cowboystiefel, Friedensbemalung (bringt Schminke mit und schminkt andere Leute!). Denkt trotz aller Verkleidung an das Vermummungsverbot.«
Mir graust vor dem Tag, an dem der erste schwarze US-Präsident Berlin besucht. Die jungen Menschen werden sich zur Begrüßung Baströckchen anziehen und Knochen in die Haare wickeln.
Vaterpflichten
(Theo Fuchs) Eine weitestgehend unterschätzte Konstante in der westlichen Kindeserziehung: die Kokosnuß. Kein deutscher Erdenbürger kann das achtzehnte Lebensjahr erreichen, ohne daß sein Erzeuger (vulgo: der Vater) nicht zumindest ein einziges Mal mit stolzgeschwellter (-geschwängerter?) Brust eine Kokosnuß mit nach Hause brächte und diese im Kreise der Familie unter Einsatz allen verfügbaren Werkzeugs »öffnet«. Andere diese Handlung bezeichnende Verben könnten sein: »zertrümmert«, »sprengt«, »schreddert« oder »zu Kleinholz zermatscht«. Mein eigener Vater vermeinte damals die obligatorische Kokosnuß mit einer Nagelfeile bearbeiten zu können. Es gelang ihm, die Nuß in viele hundert holzige, klebrige und nässende Splitter zu zerlegen, indem er sie schließlich frustriert auf den gefliesten Küchenboden schmetterte.
O-Ton-Floh
(Bettina Andrae) Ich hörte von einer Art Show, wie ich sie noch nie erleben durfte. Aber seit ich davon weiß, konzentriert sich all mein Wollen und Streben darauf, einmal an solch einer Show teilhaben zu dürfen. Den Floh hat mir ein O-Ton Gilbert Becauds ins Ohr gesetzt. Er hat mal gesagt: » Die Leute sollen nach der Show nicht mehr wissen, wie sie heißen und wo ihre Autoschlüssel sind.« Monsieur 100.000 Volt ist tot. Das ist zum Verrücktwerden.
Zum Euro
(Jürgen Witte) Jetzt, wo man uns erklärt hat, daß die gefühlte Inflationsrate höher sei als die tatsächliche Preissteigerung, geht es den meisten doch schon wieder etwas besser. Wir haben also seit der Einführung des Euro nur sowas wie einen wind-chill im Geldbeutel. Nur weiß noch keiner, was dagegen tun. Die Verkehrsplaner sind da schon einen Schritt weiter. Sie hatten nämlich herausgefunden, daß der gefühlte Zeitverlust für den Autofahrer vor Ampelkreuzungen viel größer ist als vor einem Kreisverkehr. Und daß da in diesem Falle schon was getan wird, das ist ja wohl unbestritten.
Na dann
(Bov Bjerg)
H: »Neulich hab ich mir fast in die Hosen gemacht. Ich zieh grad am Joint, da taucht auf einmal vor mir ne Polizeikontrolle auf! Aber die haben mich einfach durchgewunken. Puh.«
B: »Du kiffst beim Autofahren?«
H: »Nur, wenn ich was getrunken hab.«
Schmerzlos
(Andreas Scheffler) Die Tabletten, die mir wegen meiner kaputten Bandscheiben verschrieben wurden, sind ein Witz. Rantudil forte belastet extrem die Nieren, den Magen und die Leber. Deshalb soll ich bei Schmerzen sofort zum Arzt. Aber wie könnte ich das merken, schließlich sind es Schmerztabletten.
»In« ist, wer drin ist
(Jürgen Witte) Du willst dich mit einem supercoolen Menschen verabreden, weil du diesen Menschen kürzlich kennengelernt hast und supercool findest. Am Telefon läuft alles ganz gut, es scheint zu klappen. Du machst einen Vorschlag, wo man sich treffen könnte, und der supercoole Mensch am anderen Ende der Leitung hört sich plötzlich gar nicht mehr begeistert an. In deiner Panik bittest du ihn schnell um einen anderen Vorschlag. Der supercoole Mensch (Frau oder Mann ist da egal) schlägt eine schnöselige Bar-Lounge-Location vor, die du nur deshalb kennst, weil der Türsteher dich und deine Freunde dort einmal abgewiesen hat. Wie reagierst du?
Intimitäten
(Jürgen Witte) Als Henritte aus der Wohnung unter mir auszog, kamen Iris und Fritz. Die kleine, zähe Iris und der große, etwas tapsige Fritz hatten eine stürmische Beziehung. Entweder sie liebten sich heiß und innig, oder aber, was öfter vorkam, sie haßten sich lautstark und mitunter schon auch gewalttätig. Nichts wirklich Schlimmes, aber das Geräusch von klatschenden Ohrfeigen beendete schon mitunter den Austausch von Argumenten. Und selbst der nachher vielfältig gespendete Trost hallte unüberhörbar durch den Hof. Iris und Fritz waren einfach laut. Und das trotz des regelmäßigen Konsums von Cannabis, welches ja allgemein im Ruch steht, dämpfend und ausgleichend auf den Charakter zur wirken. In allem waren sie laut, auch beim Sex. Fritz klang beim Kommen wie ein einsam heulender Kojote. Iris bevorzugte zum Höhepunkt spitze, rhythmische Schreie.
Mit Iris und Fritz zog eine neue, stetig sprudelnde Neuigkeitsquelle auf den Hof. Iris, das lernten wir bald, war die Stärkere von beiden, Fritz neigte schnell mal zum Jammern und Winseln. Trotzdem, eines muß ich anerkennen, ich habe nie wieder jemanden so laut »Ich liebe dich« brüllen hören wie die Iris. Es klang wie eine schlimme Drohung. Was es wahrscheinlich auch war.
Zukunftsforschung
(Thilo Bock) »Ich warte auf das Jahr 2002, da kann man mit ’nem Computer ooch Nägel in die Wände schlagen«, sagte ein Typ im 129er. Es war im Oktober 1997 und gehört hat das damals...
Der Öffentliche Dienst
(Andreas Scheffler) Es hat einige Zeit gedauert, mich an den Öffentlichen Dienst zu gewöhnen. Am Anfang habe ich immer erst fünf Minuten vor Dienstschluß den Umkleideraum betreten. Die Kollegen saßen schon mindestens eine halbe Stunde da und guckten mich scheel an. »Akkord ham wa hier abba nich.« Ich merkte, daß ich dabei war, die Preise zu verderben. Also dehnte auch ich die Frühstücks- und Mittagspausen auf’s Doppelte und pendelte den Arbeitstag frühzeitig aus. Seit der Zeit war ich ein angenehmer Kollege.
Safer Sex
(Andreas Scheffler) Vor kurzem bin ich in einer Kneipe von einer sehr jungen Frau nachdrücklich zum Geschlechtsverkehr aufgefordert worden. Und das ging so: Die junge Frau, die ich vorher noch nie gesehen hatte, setzte sich neben mich an den Tresen, legte eine Hand auf meinen rechten Oberschenkel und fragte: »Auf dem Frauenklo ist kein Kondomautomat. Hängt bei euch Männern einer?«
Marlboro Spring Jobbing
(Bov Bjerg) Endlose Heide, strahlend blauer Himmel, so weit man schauen kann, der nächste Ort Meilen entfernt und irgendwo da draußen du beim Spargelstechen mit dem Team. Spring Jobbing bietet dir die Chance auf den besten Frühling deines Lebens. Denn wenn du als Asparagus Cutter in Brandenburg Country jobbst, lernst du das Land und seine Menschen wirklich kennen und nimmst Erinnerungen mit nach Hause, die du nie wieder vergessen wirst. Ruf einfach an und bewirb dich als Asparagus Cutter oder für einen der vielen anderen Spring Jobs von Sand Shoveler bis Screwdriver.
Wir fahren nach IKEA
(Jürgen Witte) Wir fahren nach IKEA. Mal gucken, was wir so alles brauchen könnten, damit’s zu Hause noch gemütlicher wird. Schließlich ist die Kleinfamilie doch meistens zu Hause, ist ja nicht ewig Sommer. Quasi ständig sind wir dann wieder zu Hause und da kann es in diesem Zuhause gar nicht nett genug sein. Daß wir es dann, wenn wir uns mal so richtig auf den Wecker gehen, daß wir es dann wenigstens gemütlich haben. Jeder sitzt in seiner Ecke und schmollt. Da muß man sich doch wohlfühlen, in dieser Ecke, in der man sitzt. Wenn es bei uns zu Hause erst mal so aussieht wie bei IKEA im Katalog, dann ist doch auch das ganz schön.
Erkenntnis
(Konrad Endler) Der Borkenkäfer hielt sich für ’nen ziemlichen Süßholzraspler, bis ihm jemand Bescheid sagte, daß Kiefernrinde nicht unbedingt zu den erlesensten Speisen des Pflanzenreichs zählt. Es war der Specht.

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:07