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Konrad Endler: Ein Leben

Das erste, was der kleine blaue Drache jemals gedacht hatte, war: »Ist ganz schön kalt hier.«

Er schwamm in einer glibbrigen, süß schmeckenden Pampe und konnte sich nicht so recht bewegen, weil er noch keine Arme und Beine hatte.

Ab und zu sog er mit einer öffnung an seinem Rücken etwas von der Pampe in seinen Körper. Dann bekam er immer ein ganz angenehmes Gefühl. Ja, er bekam regelmäßig multiple Orgasmen.

Nach einer Weile langweilte er sich aber.

Da konnte er sich bereits strecken. So ging das immer hin und her: Orgasmus, Yoga, Orgasmus, Yoga.

An einem Tag aber, der kleine blaue Drache streckte sich gerade ganz besonders stark, machte es plopp und ein kleines blaues ärmchen sprang aus seinem Körper. Dann ging es im Minutentakt. Plopp. Noch ein ärmchen. Plapp, ein Beinchen, plepp, noch ein Beinchen und noch eins und noch eins und plipp, ein kleiner Schwanz.

Das war ein Fest. Er strampelte und hampelte und strahlte über sein ganzes unförmiges Gesicht. Glücklich.

Plötzlich aber bebte es um ihn herum. Alles war glatt, er konnte sich nirgendwo festhalten.

Menschliche Stimmen waren zu vernehmen. Dann wurde es warm. Erst dachte er: »Soll mir doch recht sein!« - Aber dann wurde es immer wärmer und schließlich heiß. »Boh, ist das heiß hier!«, dachte der kleine blaue Drache. Sein letzter Gedanke.

»Iiiih Mama, wat is denn dit?«

Manuela starrte angewidert auf das gerade aufgeschlagene Ei.

Mama war auch nicht sehr entzückt. Mit spitzen Fingern nahm sie den Eierbecher und hebelte mit einem Messer das stinkende Ei in den Mülleimer.

Draußen fuhr gerade eine Straßenbahn vorbei.

Zeichnung von ©Tom

Copyright: Konrad Endler

zuletzt verändert: 12.06.2006 00:07
erstellt von jero

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