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Ilja Hübner: Berlin ist eine Stadt für Jungs mit starken Nerven

Sie trat an Alfons heran und zeigte ihre kleinen Titten. »Willste mal anfassen?« fragte sie.

»Gern«, erwiderte Alfons und griff zu. Ihre kleinen Titten faßten sich gut an. Erregung bemächtigte sich seiner. Sein Schwanz wurde hart. Er mußte sie nach dem Preis fragen; und dann mußte es schnell zur Sache gehen, sonst drehte er durch.

»Bekommst du oft Besuch?«, fragte er, merkte aber nicht, daß er etwas anderes gesagt, als er sich vorgenommen hatte.

»Mal so, mal so«, erwiderte sie.

»Geht’s nicht ein bißchen genauer?«

»Mal zwei Kunden am Tag, mal zwanzig. Es ist wie mit dem Wetter. Mal scheint die Sonne, mal regnet es ...«

Alfons nahm die Hände von ihren kleinen Titten. Wieso redete sie jetzt vom Wetter? Das törnte ihn ab. Wenn Nutten vom Wetter reden, kriegt er keinen hoch. So wie jetzt. Sein Schwanz wurde weich.

»Was issen nun?«, fragte sie.

»Ich geh dann mal«, erwiderte er.

»Das war’s schon?«

Ohne auf ihre Frage einzugehen, verließ er das Bordell. Draußen fluchte er. Er hätte schon Lust gehabt. Irgendwas mußte er falsch gemacht haben. Aber ihm war immer noch nicht bewußt, daß dadurch, das er etwas anderes gesagt, als er sich vorgenommen hatte, ein Mißverständnis entstanden war.

Er ging rüber zur Post. Er mußte noch einen Brief an seine Eltern aufgeben. Den hatte er letzte Nacht geschrieben und sie beruhigt, daß es ihm gut gehe und er in der großen Stadt Berlin die Nerven behielt.

Macht Euch keine Sorgen, hatte er geschrieben, ich komme zurecht, Euer Sohn...

Er betrat die Post und ging zum Schalter. Eine Frau mit einem hämischen Gesichtsausdruck erwartete ihn.

»Was wünschen Sie?« fragte sie.

Alfons holte sein Portemonnaie raus und zählte ihr fünfundfünfzig Cent auf den Tresen.

»Eine Briefmarke in diesem Wert«, sagte er.

»Die sind ausverkauft.« Ihr Gesichtsausdruck wurde noch hämischer.

»Und wie soll ich jetzt meinen Brief aufgeben?« fragte er.

»Was weiß ich. Der Nächste bitte!«

Alfons verließ die Post und ging rüber zum Alexanderplatz. Dort war auch ne Post. Er ging rein und geriet in Verwunderung. Das war keine Post, das war der Warteraum einer riesigen Allgemeinarztpraxis.

»Der Nächste bitte!«, klang aus einem Lautsprecher.

Eine Schwester nahm Alfons beim Arm und führte ihn durch eine Tür. Hinter der stand ein riesiger Schreibtisch, und an diesem saß ein riesiger Allgemeinarzt.

»Was fehlt Ihnen?«, donnerte der.

»Mir?« Alfons wurde ganz kleinlaut. »Nichts, Herr Doktor.«

»Und weshalb kommen Sie dann hierher?«

»Ich brauch ne Briefmarke.«

»Schwester, geben Sie diesem Witzbold eine Briefmarke und dann schmeißen Sie ihn raus.«

Die Schwester nahm Alfons wieder beim Arm und führte ihn zurück in den Warteraum. Es war keiner weiter anwesend, und sie öffnete ihren Kittel. Kleine Titten starrten Alfons an.

»Willste mal anfassen?«, fragte die Schwester.

»Gern«, erwiderte Alfons.

Sein weicher Schwanz wurde hart.

»Wieviel verlangst du?«, fragte er erregt.

»Fünfundfünfzig Cent«, erwiderte die Schwester, gab ihm eine Briefmarke und schmiß ihn raus.

Alfons fand sich auf dem Alexanderplatz wieder. Völlig erregt und unbefriedigt. Er riß den Brief an seine Eltern auf, strich alles durch, was er geschrieben hatte, und setzte drunter: »Ich komm mal lieber nach Hause. Ihr habt recht, Berlin ist keine Stadt, in der ein Junge wie ich die Nerven behält...«

Er klebte den Brief wieder zu und die Marke drauf und steckte ihn in einen Postkasten. Dann fuhr er mit dem Lift den Fernsehturm hoch, setzte sich ins Drehrestaurant und bestellte ein Abschiedsmenü.

Copyright: Ilja Hübner

zuletzt verändert: 12.06.2006 01:06
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