Kurznachrichten: Zeichen, Zeiten, Tage und Wunder
Statistik
(Horst Evers) Es heißt, eine normale Großstadt kann auf immer 1000 Einwohner einen Idioten vertragen. Dann ist gut und ausgewogen. Meist pegelt sich das auch für jede Stadt in etwa auf diesem Level ein. In Berlin jedoch ist durch das Metropolengeschwafel vor einigen Jahren und erstrecht den Hauptstadtumzug der Idiotenanteil in der Stadt aufs unnatürlichste angeschwollen. Und jeder kann sehen, was dabei rauskommt. Wenn ich mir überlege, daß ich im wesentlichen gegen Olympia, Metropole und Hauptstadt war, weil ich Angst hatte, Berlin würde dann zu schick, teuer und schnöselig werden... - Naja, das zumindest is ja nu nich passiert. Also zumindest nicht wo ich bin. Am Reichelt hängt ein Schild: »Wir müssen diese Filliale leider am 8. 11. schließen. Wir danken für Ihr Vertrauen.« Wieso Vertrauen? Was bitteschön haben die uns denn verkauft?
Stricher
(Jochen Gerken) Sie tanzen den ganzen Abend uneingeladen auf einer Einweihungsparty und bemerken erst nach zweistündigem, ekstatischem Getanze, daß Ihre Schuhsohlen schwarze Striche auf dem frisch verlegten Dielenboden hinterlassen. Wenn Ihnen am nächsten Morgen dann jemand Folgendes erzählt: »Jemand hat den ganzen Boden versaut, das Zeug geht kaum raus, bin schon seit ’ner Stunde am Schrubben.«, dann drehen Sie sich bitte wie alle anderen betroffen nach dem Boden um, der als Tanzfläche gedient hatte und sagen: »Das kenn ich, das ist schlimm.« und bleiben so lange sitzen wie möglich. Wenn Sie auf den Ausgang zusteuern: Nicht schlurfen!
nen versuch war's wert
1. zeile: endet auf erwaaacht
2. zeile: irgendwas mit naaacht
dann 3: ich muß es endlich einmal raffen
ich bin zum dichten nicht geschaffen (4)
ich bin zum dichten nicht gemaaacht (5)
(Bov Bjerg)
Am Schäfersee I
(Andreas Scheffler) Eine aufgeplatzte Tüte Kartoffelchips direkt am Ufer findet bei den vielen Enten keine Beachtung. Wer wirft diesen Vögeln eine fast volle Tüte Knabberzeugs hin? Und warum? - Eigentlich doch wohl nur, um sie zu vergiften. Aber die Tiere sind nicht dumm, rühren das Zeug nicht an, denn wenn man einmal damit angefangen hat, mit dem Chipsessen, kann man bekanntlich nicht mehr damit aufhören.
Freundlichkeit, regional
(Jochen Gerken) Eine Freundin zu Besuch mit ihrem bayrischen Freund. Der spricht nicht viel. Er ißt viel. Als ich ihn frage, ob es denn munde, sagt er: »Wenn i nix sog, is recht.«
Auch schön: Antrittsbesuch bei meinen zukünftigen sauerländischen Schwiegereltern. Herein in die gute, gedrungene, heillos überfüllte Stube; meine Braut vorne weg, ich hinterher, bleibe etwas unbeholfen an der Türe stehen. Die Mutter: sagt nichts, guckt nur. Der Vater: guckt und sagt: »Für Jacke is draußen.« Das nenn ich ein »Kleines Hallo« im Gegensatz zum »Großen Hallo«. Spätere Nichtheirat nicht ausgeschlossen.
Ja, ja, die Bahn
(Thilo Bock) Ansage im IC Berlin-Münster, Sonntagvormittag, kurz vor elf: »Zu meinem Bedauern, muß ich Ihnen mitteilen, daß das Bordbistro an der Zugspitze aus bisher unbekannten personellen Gründen leider geschlossen bleiben muß.«
Dicke Käfer
(Daniela Böhle) Bei jedem Flug male ich mir wieder aus, was passiert, wenn tatsächlich mal ein Notfall eintritt und alle ihre Schwimmwesten anlegen. Die Hälfte der Leute wird ihre Weste nicht beim Ausstieg sondern sofort aufpumpen und dann die Gänge verstopfen wie dicke Käfer. Wegen der neuen Sicherheitsvorkehrungen haben wir nun nicht einmal mehr Nagelfeilen dabei, mit denen wir dann die Luft aus den Käfern stechen können.
Auf dem Rummelplatz
(Jürgen Witte) Die Schießbuden gehören schon lange nicht mehr zu den Attaktionen auf einem Rummeplatz, aber es gibt sie immer noch. Heute gehe ich daran vorbei, schon damit mein Sohn nicht auf dumme Gedanken kommt. Die letzte Plastik-Rose, die ich geschossen habe, es ist jetzt bestimmt schon 15 Jahre her, die hat damals meine Schwägerin bekommen. Sie war eine von den Frauen, die für sowas empfänglich sind. Ihr Mann, ex-Bundeswehr, wollte partout nicht schießen, ich, ex-Verweigerer, hab es dann gemacht. Es schmeichelte ihr, daß ein Mann für sie zur Waffe greift.
Mütter und Söhne
(Daniela Böhle) Es gibt Eltern, die, sobald der Säugling das erste Mal die Hand hebt, begeistert kreischen, »guck mal, bestimmt wird er mal Fluglotse!«
Ist der Sohn zum ersten Mal richtig scheiße, kaufen sie ihm eins dieser Polizei-T-Shirts. Auf jedem Spielplatz der Stadt läuft mindestens ein kleiner Junge herum, auf dessen T-Shirt vorn eine Krawatte aufgemalt ist und um den Bauch herum Funkgerät, Schlagstock und Pistole.
Sie machen sich unbeliebt, weil sie »Hände hoch oder ich schieße!« rufen, anderen Kinder unvermittelt eine runterhauen und dann sagen, ich muß das tun, ich bin Polizist, und weil sie ständig versuchen, jemanden fest zu nehmen. Die Eltern rufen den anderen Eltern fröhlich zu: »Der will nur spielen!«
Stoiker
(Bov Bjerg) Ich sei ein Stoiker, steht da. Drei Mal wie »Steuker« gelesen. Gedacht: »wieder so ein gescheites Wort, das du noch nie gehört hast.«
Steuker. Vielleicht wie Stalker. Engl. »to stoi«. Stoi, stoid, stoden. Wahrscheinlich bei einem dieser modernen Denkfranzosen zu finden. Steuker. Irgendwas Cooles. Diffus geschmeichelt gefühlt.
Versuch die Hitze zu beschreiben
(Jürgen Witte) Es ist so heiß, daß der Straßenbelag an den Schuhsohlen festklebt, und man macht, wenn man an der Ampel über die Straße geht, bei jedem Schritt, dieses eklige schmatzende Geräusch.
Es ist so heiß, daß sich quasi kein Grufti mehr vor Sonnenuntergang auf der Straße blicken läßt. In dem Teufelsanbeter-Outfit ist es draußen einfach nicht mehr auszuhalten.
Es ist so heiß, daß sie die Erdbeeren in den guten Supermärkten ins Kühlregal stellen, damit die nicht sofort schlecht werden. Bei Aldi gibt es quasi kein Obst und Gemüse mehr, das würde da alles vergammeln, noch bevor es den Laden erreicht.
Es ist so heiß, daß du nach dem Duschen schon beim Abtrocknen wieder ins Schwitzen kommst. Mit dem Biertrinken bin ich auch vorsichtig, es ist abends zwar jedesmal sehr verlockend, aber es gibt nichts schlimmeres, als bei dem schwülen Wetter am nächsten Tag mit einen üblen Kater rumzumachen. So heiß ist es.
Ja, die Luft flimmert über den Straßen, ja sie flimmert sogar über den ausgetrockneten Rasenflächen. Nein, ich habe noch keine Fata Morgana gesehen, ich sag doch, ich trinke quasi keinen Alkohol, zur Zeit.
Es ist so heiß, daß, wenn einer irgendwo einen Eimer Wasser ausgekippt hat, und da ist eine kleinen Pfütze übriggeblieben, daß die Vögel sogar das Risiko eingehen, da von den vorbeilaufenden Passanten totgetrampelt zu werden, nur um einen Schluck Wasser aus dieser Pfütze zu erwischen. So heiß ist das.
Absurd
(Daniela Böhle) Die Liste der idiotischsten Frauenberufe, wird von dem der Stewardess angeführt. Man wird in eine Uniform gesteckt und serviert Betrunkenen Alkohol an einem Ort, an dem es keine Rausschmeißer gibt.
Im Straßencafé
(Andreas Scheffler) Am Nebentisch vier Männer in pastellfarbenen Jacketts, mit öligen Frisuren oder absichtlichen Glatzen. Sie spielen mit ihren Autoschlüsseln, telefonieren mit ihren Handys und erzählen ihren Gesprächspartnern, sie wären geschäftlich hier. Eine Frau am Nebentisch erhebt sich. »Die hast echt ’n geilen Arsch«, sagt eine Ölfrisur. Drei der Kollegen nicken, einer meint, da hätte er schon Besseres gesehen. - Was für Geschäfte betreiben die? Nachmittags im Café sitzen, telefonieren, Frauen taxieren, scheiße aussehen... Ich zahle, nehme mein Handy aus der Tasche und sage vernehmlich: »Ich gehe jetzt. Alles klar. Zugriff in fünf Minuten.« Einige gucken blöd, aber keiner springt auf und flüchtet. Na ja, einen Versuch war es wert.
Radio gaga
(Bov Bjerg) Nicht jeder, der eine Erbanlage hat, muß auch krank werden.
Eisenmangel bei Saddam
(Jochen Gerken) Der Mensch kann nicht fliegen. Die Erde ist ein Magnet, der die Menschen an sich zieht, weil sie Eisen im Blut haben. Deshalb fühlen sich Menschen mit Eisenmangel auch viel leichter. Man hat schon Bilder von Leuten gesehen, die angebunden werden mußten, damit sie nicht abheben. Ich stelle mir Hussein schwebend vor.
Gezeichnet
(Jürgen Witte) Manchmal nehme ich den Weg am südlichen Ufer des Urbanhafens lang, wo sich badebemantelte Patienten trotz bewegungseinschränkender Gebrechen, unansehnlicher Verbände und von Jodtinktur rostrot gefärbter Hautpartien im Sommer mal nach draussen in die Sonne trauen. Manchmal nehme ich den Weg, damit ich nicht ganz die Perspektive verliere. Nicht alle sind hier »Fit for Fun«. In der City oder am Potsdamer Platz muß man schön und gesund sein, und selbst jene, nach dem ersten Augenschein oft eigentlich völlig gesunden Menschen, die dort mitunter am hellichten Tage herumschlendern und nichts als dünne, unbeschriftete, überformatige Briefumschläge mit ihren Röntgenbildern durch die glitzernden Passagen tragen, selbst jene verursachen dort bei so manch einem zufälligen Beobachter schon leichtes Unbehagen.
Beim türkischen Trödler
»Wat soll’n die Elvis-Platte hier kosten?«
»Elvis? Englisch modern! Kostet fünf Euro!«
»Englisch fünf Euro? Der is doch schon tot!«
»Schon tot? Dann wertvoll! Acht Euro!«
(Andreas Gläser)
Tuttlingen
(Horst Evers) Auf der Nebenbank erzählen sich zwei Männer, in Baden Würtemberg gäbe es Sozialämter, z. B. in Tuttlingen, wo jedem Besucher erstmal eine Tasse Kaffee und Gebäck angeboten werden. Und trotzdem kommt keiner, weshalb die Sozialämter auch ständig Tombolas und Feste machen, um etwas mehr Kundschaft zu gewinnen. Ich hab sowas früher auch geglaubt, bin extra nach Tuttlingen gefahren, um mir das mal anzugucken. Alles Lug und Trug. Tuttlingen hat gar kein Sozialamt. Aber sonst ist die Stadt wirklich okay.
Das Ende
(Konrad Endler) Ein Bataillon Karamellbonbons kam im Gleichschritt die Promenade heruntermarschiert. Sie trugen Zuckerhüte und Salzstangengewehre. Zwischen den einzelnen Abteilungen zogen Schokoladenweihnachtsmänner Wagen hinter sich her, darauf große Lakritzstangen, die von Zeit zu Zeit Liebesperlen in die Luft spuckten: Plätzchenräder ratterten knuspernd.
Wir hatten uns in den Häusern versteckt und lugten durch die Gardinen: Ich faßte meiner Freundin ins Grün und sagte: »Tja, die Saure-Gurken-Zeit ist nun wohl endgültig vorbei!«
Meine Freundin weinte. Sie weinte, wie ein Kohlrabi nur weinen kann. Aus meinem Körper trat Milchsäure aus. Mehrere Liebesperlen hatten mich durchbohrt. Ich mußte an ein Moor denken, ehe ich starb.
Plakatwerbung Gaga
»Aus Freude an Büroflächen« (Ku-Damm Ecke Uhlandstraße)
Hausbesuch
(Dr. Karl Abraham) Ich stehe bei einem schwer kranken Mann am Bett, plötzlich kommt aus dem Nebenzimmer ein riesiger schwarzer Hund, der einen schneeweißen Schlüpfer an hat. Vorsichtig, um nicht zu stören, tritt nach dem Haustier eine ältere Dame ins Zimmer und meldet: »Entschuldigung, Wir sind läufig!« Alle beide?
Altersvorsorge 19
(Horst Evers) Ich war eigentlich sowieso nie jung. Erst vor kurzem hab ich wieder alte Beiträge von mir aus der Schülerzeitung angesehen und festgestellt, wie ich mich schon damals praktisch die ganze Zeit mit Alterserscheinungen auseinandergesetzt habe. Mit 17.
Tatsächlich durchlaufe ich seit ungefähr 20 Jahren jeden Tag ein ganzes Menschenleben. Allerdings rückwärts. Jeden Morgen stehe ich als alter Mann auf. Kann mich kaum bewegen. Erinnere mich zwar an jedes Detail aus meiner Jugend, aber kaum an letzte Nacht und erstrecht nicht, ob ich vor 5 Minuten schon das Meerschweinchen gefüttert habe. Dann werde ich im Laufe des Tages immer jünger und agiler, bis ich pünktlich zum Abendessen vor Energie strotze und auch einen gesunden Appetit entwickelt habe, um dann zunehmend infantiler zu werden und mich in der Nacht wieder zum quengelnden Kleinkind zurückentwickelt habe, das einfach nicht ins Bett will. Seit 20 Jahren durchlaufe ich jeden Abend praktisch eine komplette Pubertät. Das muß man sich mal vorstellen.
So gesehen bedeutet Altersvorsorge für mich eigentlich, wenn ich am Abend schon das Frühstück für den nächsten Tag breitstelle.
Radikalisierung
(Heiko Werning) Wer regelmäßig diagonal über die Kreuzung Seestraße/Müllerstraße in Berlin-Wedding muß, zwei große sechsspurige Hauptstraßen mit Fußgängerampeln, die so getaktet sind, daß es selbst Leichtathleten kaum gelingen dürfte, während einer Ampelphase beide Fahrtrichtungen zu überqueren, und deshalb mit Dutzenden anderer Passanten auf der Verkehrsinsel zusammengedrängt in der Mitte wartet, um minutenlang bis zum nächsten Fußgängergrün von Autos und Straßenbahnen umbraust zu werden, der bekommt eine echte Vorstellung davon, was das »Schweinesystem« eigentlich bedeutet.
Sommerstress
(Daniela Böhle) Hysterischer Anruf meines Freundes Friedrich. Er sagt, er müsse sich, seit das Wetter so gut geworden ist, ständig rechtfertigen, wenn er schlecht gelaunt ist. Er wolle schlecht gelaunt sein, wenn er es wolle, nicht, wenn es das Wetter erlaube. Friedrich erzählt mir von Australien, wo es so viele Alkoholiker gibt, weil die Leute die ständige gute Laune nicht ertragen. Wer nicht ständig gut gelaunt sein kann, schlägt seine Frau und säuft. Das wäre alles anders, wenn die Leute nicht ständig gut gelaunt sein müßten. Friedrich sagt, in Deutschland schlagen auch viele Männer ihre Frauen und saufen, aber wenn das Wetter ständig gut wäre, würden das alle tun.
Am Schäfersee II
(Andreas Scheffler) Auf einer Bank rauche ich eine Zigarette. Als ich die Kippe ausdrücke und in einen Mülleimer werfe, kommt eine Rentnerin, die dies gesehen hat, auf mich zu, sagt »Junger Mann« zu mir und bedankt sich, daß sie so etwas noch erleben durfte; also daß ich meine Kippe nicht auf den Weg geworfen habe. Dieses »Junger Mann« zu hören - für den Rest des Tages werde ich gute Laune haben.
Mach Platz!
(Jochen Gerken) Unlängst betrat ich mit einer größeren Gruppe Menschen einen kleinen Imbiss, dessen wenige Sitzgelegenheiten schnell belegt waren. Die restlichen Leute, darunter zwei Frauen, standen etwas unschlüssig herum, als die ungesund auf die 60 zugehende Besitzerin, die bis dahin mit einem antiken Läppchen die Tische eingefettet hatte, das Putzwerkzeug auf die Theke legte, die Fäuste in Hüfthöhe ballte, derart, daß der Daumen in bester Schumi-Manier nach oben stand und sagte: »Ich hab hier noch zwei Plätze für die Damen!« Eine so lässig dargebotene, von feiner Erotik begleitete Wortspielerei hätte ich in diesem Umfeld nicht erwartet. Kann man mal wieder sehen: Fettig macht lustig!
Vom Reklamieren
(Jürgen Witte) Ich bringe einen Blumenstrauß in den Blumenladen. Von ganz von zu Hause hab ich den mitgebracht. Exemplarisch. Die Dame guckt mich irritiert an, sie sieht den arg welken Strauß, sie sagt aber nix. Sie hätte ja sagen können: »Iii, das welke Gemüse, also von uns ist das aber nicht!« Hätte sie sagen können, aber das tut sie leider nicht. Also sage ich: »Gnädige Frau, diesen Strauß habe ich vor zwei Tagen hier bei ihnen gekauft, ich denke, da müssen wir mal drüber reden. Diese Rosen da ließen schon nach einigen Stunden die Köpfe hängen, jetzt 24 Stunden später sind sie quasi pures Stroh. Ja, der Strauß stand im Wasser? Was glauben denn Sie, was ich mit Ihren teuren Blumensträußen mache?«
Mein Versuch, einen Schnittblumenstrauß zu reklamieren ist erwartungsgemäß schief gegangen, ich gebe es zu. Aber wert war’s mir das. Mitten im teuren Fleurop-Blumenladen, einem Meisterbetrieb, einmal ganz laut das böse Wort »Blume 2000« auszusprechen. Einen Händler daran zu erinnern, daß es noch Menschen gibt ,denen noch nicht alles ALDI ist was sie kaufen.
Dick, alt und mittellos
(Jochen Gerken)
»Ich bin dick, alt und mittellos,« sagte ich dem gutaussehenden, etwa 17jährigen Mädchen, als es mir seine wollüstige, nach Führung durch einen erfahrenen Lebemann dürstende Hand entgegenstreckte. Sie sagte: »Macht doch nichts«, hakte sich bei mir unter, lachend und flachsend überquerten wir eine Straße und ich war plötzlich ebenfalls 17 und überlegte gerade, wo wir uns zum SMSen niederlassen, ne Cola oder ’n kleinen Joint an der Backe, als sich das Mädchen wieder aushakte und sagte: »Wollte schon immer mal nem alten Mann über die Straße helfen. Tschühüs!«
Ausgleichende Gerechtigkeit
(Daniela Böhle) Im Supermarkt stehe ich vor diesen kleinen Babytomaten, die es neuerdings auch in der Ökovariante gibt. Sie sind bleich wie frisch eingetroffene Deutsche an spanischen Stränden. Ihre unökologischen Babytomaten-Geschwister sind perfekt rot und sehen total lecker aus und mein Gewissen ruft: »Wenn Du heute nacht gut schlafen willst, kauf die bleichen!« Und dann sitze ich abends zu hause und die bleichen Tomaten schmecken nach nichts, aber ich habe ein gutes Gewissen, weil die leckeren chemisch gedüngten Tomaten auch ihr Strafe bekommen und eine weitere Nacht im Supermarkt schmoren müssen.
zuletzt verändert: 13.09.2006 21:13